Die Entwicklung einer Kommune zur resilienten Stadt erfordert transformatorische Prozesse mit umfassender Beteiligung von Bürger:innen unterschiedlicher Herkünfte und Bildungsmilieus. Um den Herausforderungen der Klima- und Umweltkrise, des brüchigen sozialen Zusammenhalts und der zunehmenden Migration zu begegnen, muss die Stadt wieder als Raum in den Fokus rücken, in dem Menschen sich begegnen und interagieren, in dem Vertrauen wachsen kann. Die Stadt muss dafür zur gelebten Zukunftsvision Vieler werden, in der sich die Erwartungen an ein gutes Leben widerspiegeln. Sprachbarrieren, aber auch kulturelle und rollenspezifische Prägungen machen es vielen Menschen schwer, ihre Erwartungen, Wünsche und Hoffnungen zu artikulieren und mit anderen zu teilen. Wir müssen Wege finden, ihnen Zugang zu spielerischen Ausdrucksmitteln zu geben, mit denen sie ihr in-der-Welt-sein reflektieren, mit anderen teilen und das gemeinsame Narrativ einer lebenswerten Stadt entwickeln können.

Die Stadt Arnsberg möchte in enger Zusammenarbeit mit dem Theater „Teatron“ erforschen, wie Stadtentwicklung mit der Methode des autobiografisch-dokumentarischen Theaters gemeinsam mit Bürger:innen, unterstützt von Instrumenten des Serious Gamings, in die Stadtgesellschaft eingebettet werden kann. Städtische Daten aus Umwelt, Wetter, Verkehr und Besiedlung (Sensordaten, Fotos, Kartenmaterial, Statistiken, Meinungsbeiträge aus Social Media etc.) sollen mit Hilfe von Visualisierung, Animation und Filmkunst in das Spiel einfließen, sodass virtuelle Räume mit der Stadt als erweitertem Bühnenraum und der Stadtgesellschaft als Publikum verschmelzen: die Mensch-Maschine-Interaktion als digitalisierte Theatropolis. Das Stück wird zuerst auf der Bühne aufgeführt, später auch als Popup Theater in realen urbanen Räumen. Die Erkenntnisse aus diesem Prozess werden mit Hilfe der sozialwissenschaftlichen Begleitung aus dem Aktionsraum (Stadt-)Theater extrahiert und zu Informationen für die Stadtplanung aufbereitet. Damit kehren wir den partizipativen Stadtplanungsprozess um: nicht die Stadt lädt Bürger:innen zur Beteiligung an Planungsprozessen ein, sondern Bürger:innen inszenieren ihre Visionen und tragen diese an die Stadt heran.

nexus übernimmt in diesem Projekt die Koordination und das Projektmanagement im Konsortium sowie die Begleitforschung und Aufbereitung der Ergebnisse für die Stadtplaner:innen. Wir entwickeln zudem die Methode der Theaterpartizipation, welche im Projekt ausprobiert, evaluiert und zu einer in anderen Kontexten einsetzbaren Partizipationsmethode abstrahiert werden soll.

Laufzeit: 10/2023 – 10/2026
Zuwendungsgeber: Bundesministerium für Bildung und Forschung
Mitarbeiter:innen: Dr. Daniel Guagnin, Dr. Carina Brumme, Matthias Bottel
Projektpartner: Stadt Arnsberg, Universität zu Lübeck, Wegesrand GmbH & Co. KG.

Foto: unsplash – Hulki Okan Tabak