In der Vergangenheit hat die unzureichende Berücksichtigung der Gender-Perspektive in Forschungs- und Entwicklungsprozessen zu Produkten, Dienstleistungen und Maßnahmen geführt, die in der Regel aus einer männlichen Perspektive heraus konzipiert wurden und frauenspezifische Nutzungsbedürfnisse nicht berücksichtigen. Dies führt häufig zu einer für Frauen und Mädchen unzureichenden oder sogar schädlichen Nutzungserfahrung. Als Reaktion darauf hat ein großes internationales Forschungskonsortium unter der Leitung der Stanford University, finanziert von der Europäischen Kommission, das Konzept der Gendered Innovations entwickelt.

Unter der Federführung von Prof. Dr. Hans-Liudger Dienel, Geschäftsführer des nexus Instituts und Leiter des Fachgebiets Arbeitslehre, Technik und Partizipation am Institut für Berufliche Bildung und Arbeitslehre der Technischen Universität Berlin entwickelt sein Team ein Kurzzeit-Fortbildungsprogramm für Führungskräfte zur Förderung von „Gendered Innovations“. Das Projekt reiht sich somit in eine Liste international bedeutsamer Initiativen der Stiftung ein.

Gendered Innovations nutzt Methoden der Geschlechts-, Gender- und Intersektionalitäts-Analyse, um in der Medizin, Technik sowie der Informations- und Kommunikationstechnologie (ICT) neues Wissen zu schaffen. Das Konzept erhält im akademischen Diskurs heute Aufmerksamkeit und wird mittlerweile durch zahlreiche Fallstudien belegt (z. B. Gender Bias in AI). Bisher fehlt jedoch ein festes Curriculum zur Vermittlung von Gendered Innovations an Universitäten oder in Online-Trainings für Industrievertreter:innen.

Das vom nexus Institut und der TU Berlin entwickelte Executive Programm möchte diese Lücke schließen. Es richtet sich an Innovationsmanager:innen, Gründer:innen und Start-ups sowie Mitarbeitende aus Forschung & Entwicklung in Unternehmen, Hochschulen und Forschungsorganisationen. Der aus sieben Modulen bestehende Kurs verbindet die theoretische Wissensvermittlung mit praktischen Umsetzungstipps in der eigenen Organisation.

In den ersten vier Modulen lernen die Teilnehmenden den theoretischen Hintergrund des Konzepts sowie Methoden zur Anbindung an den eigenen organisationalen Kontext kennen. Im zweiten Teil entwickeln die Teilnehmenden eigene Projektideen und transferieren ihr Wissen in die Praxis. Der Kurs endet mit einer Pitching-Session, in der die Teilnehmenden ihre Ideen vorstellen und diskutieren. Darüber hinaus bietet er Inspiration und Hintergründe, um in der eigenen Organisation für das Thema werben zu können. Zusätzlich zum Fortbildungsprogramm ist für nächstes Jahr die Entwicklung einer interaktiven Karte für geocodierte Gendered Innovations in Planung, wo Unternehmen entsprechende Projekte präsentieren können. Die eigens für das Programm entwickelte Webseite liefert grundlegende Informationen zum Programm und zum Thema Gendered Innovations. Der Kurs wird in englischer Sprache angeboten.

Prof. Dr. Schraudner und Dr. Elizabeth Pollitzer sitzen im Beirat, der noch erweitert werden soll. Prof. Dr. Schraudner leitet das Fraunhofer Center for Responsible Research and Innovation sowie das Fachgebiet „Gender und Diversity in der Technik und Produktentwicklung“ an der Technischen Universität Berlin und ist seit Januar 2018 im Vorstand der acatech, der Deutschen Akademie der Technikwissenschaften. Dr. Elizabeth Pollitzer ist Vorsitzende der gemeinnützigen Organisation Portia Ltd mit Sitz in London, die 2001 von einer Gruppe von Wissenschaftlerinnen am Imperial College London gegründet wurde, um das Verständnis für geschlechtsspezifische Fragen in der Wissenschaft und in organisatorischen Praktiken zu fördern. Pollitzer ist zudem Gründerin des Gender Summit. Franziska van Almsick, Botschafterin der Entain Foundation, kommentierte das Projekt: „Ich freue mich, dass sich die Entain Foundation diesem wichtigen Thema widmet und bin beeindruckt von ihrem Engagement zur Förderung von Vielfalt im Technologieumfeld.“

Franziska van Almsick, Botschafterin der Entain Foundation

Foto: Entain Plc

Prof. Dr. Hans-Liudger Dienel, Leiter des Fachgebiets Arbeitslehre, Technik und Partizipation am Institut für Berufliche Bildung und Arbeitslehre der TU Berlin: „Die Gender Perspektive ist, wie auch die Diversity Perspektive, ein ‚Eye Opener‘ für neue innovative Produkte und Dienstleistungen! Diese Perspektive wollen wir in unserem Executive Programm vermitteln.“

Weitere Informationen finden Sie hier.

Laufzeit: 08/2021 bis 06/2022
Auftraggeber: Entain Foundation
Mitarbeiter:innen: Prof. Dr. Hans Luidger Dienel (Projektleitung)
Projektpartner:innen: Entain Foundation, TU Berlin